QNG-Siegel:
Was das Siegel
wirklich bringt.
Das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude ist mehr als ein Label — und der Schlüssel zur höchsten Neubauförderung. Eine ehrliche Einordnung.
Das QNG (Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude) bewertet einen Neubau ganzheitlich über den Lebenszyklus — Treibhausgase, Ressourcen, Barrierefreiheit, soziale Aspekte, Lebenszykluskosten. Es gibt zwei Stufen: QNG-PLUS und QNG-PREMIUM. Der eigentliche Förderhebel steckt weniger in besseren Zinsen als in höheren förderfähigen Kosten. Bestätigt wird das Siegel durch einen akkreditierten QNG-Auditor. Für vermietete Neubauten ist QNG zudem Voraussetzung für die Sonderabschreibung nach § 7b EStG (4 Jahre je 5 %).
Was das QNG bewertet.
QNG bewertet ein Gebäude ganzheitlich: Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus, Ressourcen- und Materialeinsatz, Schadstofffreiheit, Barrierefreiheit, soziale Nachhaltigkeit und die Lebenszykluskosten.
Anders als ein reiner Energieausweis schaut das QNG nicht nur auf den Verbrauch im Betrieb, sondern auf das gesamte Leben des Gebäudes — von der Herstellung der Baustoffe über die Nutzung bis zum Rückbau.
Bewertet werden unter anderem die Lebenszyklus-Treibhausgasemissionen, die ökologische Qualität der Materialien, die Innenraumluft (Schadstofffreiheit), die Barrierefreiheit und die Lebenszykluskosten. Damit ist QNG ein echtes Nachhaltigkeitssiegel, kein bloßes Effizienzlabel.
QNG-PLUS oder QNG-PREMIUM?
QNG-PLUS ist die Basisstufe, QNG-PREMIUM stellt deutlich höhere Anforderungen an Treibhausgasbilanz und Nachhaltigkeit. Für die meisten Förderzwecke ist QNG-PLUS maßgeblich.
QNG-PLUS ist die erreichbare Standardstufe und in der Praxis die für die Förderung relevante. QNG-PREMIUM verlangt anspruchsvollere Grenzwerte, insbesondere bei den Treibhausgasemissionen, und ist für besonders ambitionierte Projekte gedacht.
Welche Stufe sinnvoll ist, hängt vom Projektziel ab — für die KfW-Förderung (KFN mit oder ohne QNG) ist das Siegel in der Regel in der PLUS-Variante ausreichend.
Wie verhält sich QNG zu DGNB?
QNG ist das staatliche Siegel, das an die Förderung gekoppelt ist. DGNB ist ein privates, umfangreicheres Zertifizierungssystem. Eine DGNB-Zertifizierung kann als Nachweis für das QNG dienen.
Das QNG ist ein staatlich verantwortetes Siegel, das gezielt an die Neubauförderung anknüpft. Die DGNB-Zertifizierung ist ein privatwirtschaftliches, breiteres System, das in der Immobilienwirtschaft etabliert ist.
In der Praxis werden anerkannte Systeme wie DGNB genutzt, um die QNG-Anforderungen nachzuweisen. Für die Förderung zählt am Ende das QNG — die Zertifizierungssysteme sind der Weg dorthin.
Rechnet sich QNG über die Förderung?
Der wesentliche Vorteil liegt meist in höheren förderfähigen Kosten — nicht in deutlich besseren Zinsen. Mit QNG steigt die Grenze der förderfähigen Kosten je Wohneinheit spürbar.
Hier ist Ehrlichkeit wichtig: Der Zinsvorteil zwischen 'mit' und 'ohne' QNG ist oft kleiner, als viele erwarten. Der eigentliche Hebel liegt in der höheren Grenze der förderfähigen Kosten — mit QNG wird ein größerer Teil des zinsverbilligten Kredits gewährt.
Ob sich der Zertifizierungsaufwand rechnet, hängt deshalb stark vom Bauvolumen ab. Bei größeren Projekten und mehreren Wohneinheiten lohnt sich QNG eher als beim kleinen Einfamilienhaus. Eine ehrliche Einzelfallrechnung ist hier Gold wert — die konkreten förderfähigen Beträge sollten am Tag der Planung geprüft werden.
Die Sonderabschreibung — oft der eigentliche Treiber.
Für vermietete Neubauwohnungen ist das QNG Voraussetzung für die Sonderabschreibung nach § 7b EStG: vier Jahre lang je 5 % der Herstellungskosten zusätzlich zur normalen Abschreibung — zusammen bis zu 20 %.
Für Investoren und Bauträger ist dies häufig der wichtigste Grund für ein QNG-Projekt — wichtiger als die KfW-Konditionen. Die Sonderabschreibung nach § 7b EStG erlaubt es, in den ersten vier Jahren jährlich 5 % der förderfähigen Herstellungskosten zusätzlich zur linearen Abschreibung steuerlich geltend zu machen. Über vier Jahre summiert sich das auf bis zu 20 %.
Der entscheidende Punkt: Diese Sonderabschreibung ist seit Bauanträgen ab 2023 an den Standard Effizienzhaus 40 mit Nachhaltigkeits-Klasse gekoppelt — und dieser Nachweis erfolgt zwingend über das QNG. Ohne QNG keine Sonderabschreibung. Damit wird das Siegel für vermietende Bauherren zum steuerlichen Schlüssel.
Es gelten konkrete Grenzen (Stand Juni 2026): Die Herstellungskosten dürfen 5.200 € pro Quadratmeter Wohnfläche nicht übersteigen, und die Bemessungsgrundlage der Sonderabschreibung ist auf 4.000 € je Quadratmeter gedeckelt. Die Wohnung muss neu geschaffen und mindestens zehn Jahre vermietet werden; begünstigt sind Bauanträge bis 30. September 2029. Da Steuerregelungen komplex sind und sich ändern, gehört die konkrete Berechnung in die Hand Ihres Steuerberaters — die Größenordnung zeigt aber, warum QNG für Investoren so attraktiv ist.
Was die Zertifizierung kostet und wer sie ausstellt.
Das QNG wird durch einen akkreditierten QNG-Auditor bestätigt, der den Prozess von der Planung bis zur Zertifizierung begleitet. Die Kosten hängen von Projektgröße und Komplexität ab.
Nur ein akkreditierter QNG-Auditor darf das Siegel bestätigen. Er begleitet das Projekt von Anfang an — denn viele QNG-Anforderungen müssen bereits in der Planung berücksichtigt werden, nicht erst am Bau.
Die Zertifizierungskosten variieren mit Größe und Komplexität des Vorhabens und sind teils selbst förderfähig. Wichtig ist der frühe Einstieg: Wer den Auditor erst spät einbindet, kann QNG-Kriterien oft nicht mehr nachträglich erfüllen (zur QNG-Zertifizierung durch den Auditor).
Fragen & Antworten
Förderrichtlinien BAFA (bafa.de) und KfW (kfw.de), Gebäudemodernisierungsgesetz (verkündet am 28.07.2026, BGBl. 2026 I Nr. 226), dena. Alle Förder- und Rechtsangaben: Stand siehe Artikelkopf — verbindlich ist die jeweils gültige Richtlinie.